Digitale Prozesse basieren stets ausschließlich auf der Entscheidung zwischen Ja und Nein – keine Grauzonen, kein vielleicht. Dadurch wird eine hohe Prozesssicherheit erzielt. Dieser Ansatz hat mich sofort fasziniert und noch heute als Zahnmediziner verfolge ich das Ziel, alle Entscheidungsprozesse derart anzugehen, um so eine höchst mögliche Planungssicherheit zu erzielen.
Selbstverständlich schöpfe ich die Möglichkeiten der digitalen Welt im Berufsalltag daher voll aus. In meiner Praxis – ein echtes Traditionsunternehmen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde, da sich seit mittlerweile 117 Jahren Mitglieder meiner Familie für den Berufsstand des Zahnarztes entschieden haben – wird beispielsweise bereits seit 1982 eine Abrechnungssoftware eingesetzt. Auch die gesamte Materialverwaltung erfolgt digital über Barcodes. Die Möglichkeit der computergestützten Fertigung von Zahnrestaurationen verfolge ich seit vielen Jahren gemeinsam mit einem befreundeten Zahntechniker, der das Partnerlabor unserer Praxis leitet. Selbst meine Dissertation 1992 basierte auf der Arbeit mit einem CAD/CAM-System – das mich allerdings qualitativ nicht überzeugen konnte. Bei der gemeinsamen Suche mit dem Dentallabor nach dem „perfekten“ System wurden wir immer wieder mit Unzulänglichkeiten, z. B. hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Maschinen und der erzielbaren Genauigkeit, konfrontiert. Schließlich bewährten sich die Lava™ Präzisions-Lösungen von 3M ESPE (Seefeld).
Erwiesene Qualität
Die Lava Präzisions-Lösungen überzeugen nicht nur durch besonders leistungsstarke, absolut exakt arbeitende Fräsmaschinen, sondern vor allem auch durch den Werkstoff Lava™ Zirkonoxid aus dem Lava™ Kronen und Brücken gefertigt werden. Die hohe Qualität, die mit diesem System erzielt wird, wurde in zahlreichen klinischen Studien belegt: So wurden beispielsweise bei einer prospektiven Studie über das Langzeitverhalten von Brücken aus Lava Zirkonoxid über einen Zeitraum von drei Jahren (Pospiech et al., 2004) keinerlei Versagen, keine allergischen Reaktionen und keine negativen Auswirkungen auf den Gingivalrand beobachtet. Eine andere Untersuchung zur langfristigen Stabilität dieses Materials (Curtis et al., 2005) belegt, dass die Abnutzung durch zyklische Belastung und Feuchtigkeit die Stabilität von Lava Zirkonoxid nicht signifikant beeinflusst. Tatsächlich wurde festgestellt, dass die Materialzuverlässigkeit mit zunehmender Ermüdung stieg. Auch in Studien zur Randgüte von Lava Kronen und Brücken wurden exzellente Ergebnisse ermittelt. Anlässlich der Konferenz der europäischen Abteilung der International Association of Dental Research im Jahr 2006 beispielsweise veröffentlichten Piwowarczyk et al. die Ergebnisse einer umfassenden Analyse der marginalen und der absoluten marginalen Passung von viergliedrigen Lava™ Brücken und Mitbewerberprodukten. Die Lava™ Restaurationen wiesen im Vergleich sowohl die beste marginale Passung (geringster Randspalt) als auch die geringste absolute marginale Passung auf.
Digitale Abformung
Die Sicherheit der Lava Präzisions-Lösungen wird nun durch die Möglichkeit eines kompletten digitalen Arbeitsablaufs mit dem neuen Lava™ Chairside Oral Scanner C.O.S. noch weiter erhöht. Erstmals kennen gelernt habe ich dieses innovative System bereits vor etwa zwei Jahren während der Entwicklungsphase und ich war sofort beeindruckt. Im Januar diesen Jahres erhielt ich schließlich die Gelegenheit den Scanner eigenhändig zu testen: Die digitale Abformung erfolgt mit dem Handstück des Lava™ C.O.S. Dieses verfügt über ein hochtechnologisiertes Optiksystem, mit dem Zahnpräparationen für Inlays, Onlays, Kronen und bis zu viergliedrige Brücken durch Erstellung einer speziellen Videoaufnahme digitalisiert werden können. Dank der schnellen Datenverarbeitung wird das virtuelle Modell in Echtzeit auf dem Touchscreen der Arbeitsstation wiedergegeben.
Vorteile
Ein Quadrant in zwei Minuten – dieses gute Zeitergebnis konnte ich bereits bei der ersten Anwendung des Lava C.O.S. erzielen. Allerdings ist es nicht das erste Mal gewesen, dass ich einen Intraoralscanner in der Hand hatte und Neulinge benötigen ggf. eine gewisse Eingewöhnungszeit. Weitere Zeitersparnisse im Praxisablauf sind bei Nutzung des Lava C.O.S. zu erwarten, da Arbeitsschritte wie die Anmischung des Abformmaterials, die Desinfektion der Löffel, der Versand an das Labor etc. entfallen. Besonderer Vorteil ist, dass dem Zahnarzt die Möglichkeit eröffnet wird, seine Präparation sofort zu prüfen. An der herkömmlichen Negativabformung ist eine echte Kontrolle faktisch unmöglich. Die Option, das virtuelle Modell drehen und vergrößern zu können, eröffnet dem Zahnarzt eine ganz neue Sicht auf seine Arbeit. Und es ist zu vermuten, dass angesichts einer zehnfachen Vergrößerung so mancher Zahnarzt im ersten Augenblick erschrocken über seine eigene Präparation sein wird. Der Lernfaktor ist somit inklusive. Zudem besteht glücklicherweise die Möglichkeit, ungenügende Präparationen nach zu bearbeiten und den relevanten Bereich nochmals zu scannen. Die zusätzlichen Daten werden in den vorhandenen Datensatz eingerechnet und es muss nicht wie bei der herkömmlichen Technik eine komplett neue Abformung erfolgen.
Entscheidung
Ab Juli 2009 hoffe ich, die Vorteile der digitalen Abformung mit dem Lava C.O.S. in meiner eigenen Praxis nutzen zu können – das System ist bereits geordert. Tatsächlich fiel meine Entscheidung, in diese Technologie zu investieren, bereits vor einem Jahr. Angesichts der Tatsache, dass ich den Scanner zu diesem Zeitpunkt noch nicht selbst angewendet hatte, wirkt diese vielleicht auf manchen etwas gewagt. Aber ich war von den Vorteilen der digitalen Abformung sofort hundertprozentig überzeugt – auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Selbst wenn nur die Kosten für das Abformmaterial ungeachtet aller weiteren Posten berücksichtigt werden, amortisiert sich die Investition bereits durch 2.000 Abformungen. Da insgesamt drei Behandler in meiner Praxis tätig sind, ist der Zeitraum, in dem diese durchgeführt werden nicht allzu lang.
Fazit
Die Anwendung des Lava Chairside Oral Scanner C.O.S. hat sich als relativ einfach erwiesen und dank der hohen Datenmenge, die aufgenommen wird, ist eine hervorragende Auflösung gegeben. Die Leistungsfähigkeit der Software ist absolut überzeugend, insbesondere auch die der Laborsoftware, die der virtuellen Konstruktion dient. Versorgungen werden hiermit absolut präzise und von beeindruckender Qualität geplant.
An der weiteren Digitalisierung der Zahnheilkunde – leistungsstarke, zuverlässige Systeme vorausgesetzt – führt kein Weg vorbei, denn digitale Verfahren ermöglichen eine hohe und vor allem reproduzierbare Qualität, wie sie bei Nutzung konventioneller Techniken nicht gesichert werden kann. Des Weiteren bieten computergestützte Verfahren aufgrund der hohen Datenfülle in digitaler Form eine detaillierte Dokumentation aller Prozesse und ermöglichen somit nicht nur eine umfassende und gleichzeitig einfache Archivierung, sondern insbesondere evidenzbasierte Behandlungsstrukturen. Last but not least erlaubt die fortschreitende Digitalisierung bei allen Beteiligten – von der Praxis über das Labor bis hin zum Fräszentrum – den effizienten Zusammenschluss zu echten Netzwerken. Kommunikations- und Versandwege beispielsweise werden so optimiert und erlauben eine enge, perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit, die nicht nur den Workflow jedes einzelnen erleichtert und verbessert, sondern letztlich auch dem Wohle des Patienten dient.
Dienstag, 23. Juni 2009
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